¡Buenas!
Getreu dem Motto: «Lieber spät als nie» tippe ich heute, beinahe ein Jahr nach unserer Reise durch den Süden Spaniens, diese Zeilen. Das bedeutet aber nicht, dass uns die Reise weniger gefallen hätte. Ganz im Gegenteil – wohl immer noch geflasht von den Eindrücken Andalusiens, hat sich dieser Artikel etwas, wir nennen es mal «gezogen». Für diese Reise haben wir uns bewusst für einen Mietwagen-Roadtrip entschieden – die beste Art, diese vielseitige Region in eigenem Tempo und abseits fixer Touren zu erkunden.
Unsere Reise begann unmittelbar nach meinem Geschäftstrip in die USA – genauer gesagt am 4. Mai 2025. Kurz nach unserer Landung am Flughafen Málaga schnappten wir uns unseren Mietwagen und fuhren raus aus der Stadt. Nicht etwa weil uns Málaga nicht interessieren würde, nein – ganz im Gegenteil. Wir wollten dieser schönen Stadt unsere volle Aufmerksamkeit am Ende des Roadtrips widmen. Bei herrlichem Sonnenschein und angenehmen 25 Grad fuhren wir die Küste entlang gen Osten.
Unser erstes Ziel lag in der Nähe von Almería, rund zweieinhalb Stunden vom Flughafen entfernt. Auf dem Weg dorthin machten wir einen ungeplanten Stopp, der sich als echter Glücksfund entpuppte: die «Cueva del Tesoro» – die Schatzhöhle. Eine beeindruckende natürliche Höhlenformation, die mit Gehwegen, Treppen und Beleuchtung für Besucher erschlossen wurde und deren Erkundung uns mehr Zeit kostete als geplant – auf die angenehmste Art und Weise. Danach ging es weiter zu unserem ersten Hotel, dem «Cabogata Beach Hotel», dessen Name bereits alles verrät, was man wissen muss: Es liegt direkt am Meer. Ein gelungener Auftakt.
Unsere gesamte Route durch Andalusien kannst du hier sehen:
Die Küste und die Wüste
Nach einem späten Abendessen und einer angenehmen Nacht ging es am nächsten Morgen weiter in Richtung «Desierto de Tabernas». Spiel mir das Lied vom Tod, Vier Fäuste für ein Halleluja, Für eine Handvoll Dollar, Der Schuh des Manitu, Lawrence von Arabien, Indiana Jones und der letzte Kreuzzug – die Liste der Filme, die in der Wüste von Tabernas gedreht wurden, ist lang. Wir wollten uns die Kulissen vergangener und vielleicht zukünftiger Filme nicht entgehen lassen und besuchten den «MiniHollywood Oasys Theme Park». Dieser Park bietet spannende Einblicke in die Welt von Hollywood und ist Anfang Mai aufgrund der noch angenehmen Temperaturen sehr entspannt zu besuchen.
Was wir nicht erwartet hatten: Wir kamen genau dann an, als gerade laufende Dreharbeiten stattfanden. Mittendrin erkannten wir das Logo der Mack Studios – und kurz darauf tauchte auch die Euromaus auf. Wer jetzt kurz stutzt: Die Euromaus ist das Maskottchen des Europaparks in Rust, der zur Familie Mack gehört – denselben Macks also, die hier in der Wüste ihre Filme drehen. Und als wäre das noch nicht genug, entdeckten wir auch ein Schild des Europapark-Themenhotels «El Andaluz» – einem Hotel, das den Stil einer andalusischen Finca nachempfindet und in Rust steht. Die Macks haben also nicht nur die Wüste Andalusiens für ihre Produktionen entdeckt, sondern lassen ihre Gäste zuhause in Deutschland gleichzeitig das andalusische Flair geniessen. Mitten in der echten andalusischen Wüste auf den Europapark aus Rust zu stossen – das hätten wir so nicht erwartet. Die Welt ist klein.
Mit einem lauten «Yee-haw» fuhren wir weiter durch die Wüste zu unserem nächsten Ziel.
Granada
Von Tabernas ist es eine rund eineinhalbstündige Fahrt durch die Sierra Nevada, bis man Granada erreicht – die Stadt im Herzen Andalusiens. Granada ist weltbekannt für die Alhambra, eine atemberaubende maurische Palastanlage und UNESCO-Weltkulturerbe, die als eine der schönsten Sehenswürdigkeiten Europas gilt. Und genau hier beginnt unsere kleine Leidensgeschichte: Die Tickets sind Monate im Voraus ausgebucht. Monate! Wer also plant, die Alhambra zu besuchen – und das sollte man unbedingt – der bucht am besten schon beim Kauf des Flugtickets gleich mit.
Wir haben das nicht getan. Und so blieb uns die Alhambra verwehrt. Stattdessen erkundeten wir zwei volle Tage lang alles, was Granada sonst noch zu bieten hat – und das ist eine ganze Menge. Den krönenden Abschluss bildete eine Wein- und Tapas-Tour durch die Stadt. Sehr empfehlenswert! Die spanische Küche ist nicht umsonst Weltklasse, und in Granada wird das bei jedem Gang aufs Neue bestätigt.
Granada ist nicht unsere Nummer eins in Andalusien geworden – aber verdammt nah dran. Ob die Alhambra das Zünglein an der Waage gewesen wäre? Wir wissen es nicht. Was wir wissen: Wir kommen zurück. Bei herrlichem Wetter und bester Laune ging es weiter Richtung Córdoba, mit einem Zwischenstopp im malerischen Zuheros.
Zuheros und Cordoba
Auf dem Weg von Granada nach Córdoba lohnt sich ein Abstecher in das kleine Dorf Zuheros. Und wenn wir «klein» sagen, dann meinen wir das wirklich so – Zuheros zählt gerade mal ein paar hundert Einwohner, schmiegt sich malerisch an einen Felsen und hat dennoch einiges zu bieten. Die Burg thront hoch über dem Dorf und bietet einen atemberaubenden Ausblick über die umliegenden Hügel und Olivenhaine Andalusiens. Ein kurzer Stopp, der sich definitiv lohnt.
Dann aber: Córdoba. Unser persönliches Highlight der gesamten Reise. Die Stadt hat uns von der ersten Minute an in ihren Bann gezogen – wunderschöne Gassen, herzliche und zuvorkommende Menschen und ein Hotel, das seinesgleichen sucht. Und dann natürlich die Mezquita-Kathedrale. Dieses Bauwerk ist schlicht faszinierend. Eine riesige Moschee, in deren Mitte die Spanier kurzerhand eine Kathedrale hineingebaut haben – das klingt eigenartig, sieht aber spektakulär aus. Die unzähligen rot-weissen Bögen der maurischen Hallen sind ein einzigartiger Anblick, den man so schnell nicht vergisst. Wer Andalusien bereist und Córdoba auslässt, macht schlicht einen Fehler.
Umso bestürzter waren wir, als wir kurz nach unserem Besuch von einem Brand in eben diesem Prachtbau erfuhren. Am 8. August 2025 brach in der Almanzor-Kapelle, die als Lager genutzt wird, ein Feuer aus – ausgelöst durch einen Kurzschluss in einer Kehrmaschine. Zum Glück konnte die Feuerwehr die Flammen rasch unter Kontrolle bringen und Schlimmeres verhindern. Der Schaden blieb auf rund 50 Quadratmeter begrenzt, und die Mezquita konnte bereits am nächsten Morgen wieder ihre Tore öffnen. Ein kleiner Trost. Wir sind froh, dass dieses einzigartige UNESCO-Weltkulturerbe – eines der beeindruckendsten Bauwerke, die wir je gesehen haben – diesen Zwischenfall weitgehend unbeschadet überstanden hat.
Jerez de la Frontera
Jerez de la Frontera – der Name ist Programm. Die Stadt ist weltbekannt für Sherry und Flamenco, doch wir haben uns bei unserem Besuch einfach treiben lassen. Die Mezquita, der lokale Markt, die engen Gassen – Jerez hat einen ganz eigenen, entspannten Charme. Was uns aber am meisten beeindruckt hat, waren die überall blühenden Bäume. Die Stadt war buchstäblich in ein Meer aus Blüten getaucht und duftete entsprechend. Ein Traum.
Das bringt uns zu einem generellen Tipp, den wir jedem Andalusien-Reisenden mit auf den Weg geben möchten: Reist im Mai. Es ist nicht zu heiss, alles blüht, die Touristenmassen halten sich noch in Grenzen und die Menschen sind in bester Laune – schliesslich steht der Sommer vor der Tür. Wir hatten auf der gesamten Reise kaum einen Tag, an dem wir uns über das Wetter hätten beklagen können. Der Mai ist schlicht und einfach die beste Zeit für Andalusien.
Cadiz, Tarifa und die ewige Suche nach dem Parkplatz
Von Jerez ging es ans Meer nach Cádiz – die angeblich älteste Stadt Europas, die fast komplett vom Atlantik umspült wird. Wunderschön! Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die schönen Strassen und einem gemütlichen Mittagessen machten wir uns auf zu unserem nächsten Ziel. Tarifa ist bekannt für zwei Dinge: Wind und Surfer. Ausserdem fährt ab Tarifa regelmässig eine Fähre nach Marokko, was diesen Ort besonders bei durchreisenden in Erinnerung bleiben lässt. Was uns niemand gesagt hatte: Tarifa ist auch der Endgegner für Autofahrer. Die Fahrt dorthin war malerisch, aber die Ankunft wurde für uns zur absoluten Geduldsprobe. Wir haben ungelogen fast zwei Stunden lang nach einem Parkplatz gesucht. Die Stadt war rappelvoll, jede Lücke besetzt, die Gassen eng. Dieser Umstand alleine ist Grund genug, diese Stadt bei künftigen Ausflügen nach Andalusien zu meiden!
Auf der Weiterfahrt Richtung Ronda erlebten wir dann eine dieser unerwarteten Entdeckungen, die eine Reise erst wirklich unvergesslich machen. Hoch oben in den Bergen, wie hingemalt auf einen Felsvorsprung, tauchte plötzlich Casares auf. Ein klassisches weisses Dorf – «Pueblo Blanco» – wie es im Bilderbuch steht. Strahlend weisse Häuser, die sich den steilen Hang hinaufstapeln, gekrönt von den Ruinen einer maurischen Burg. Wir haben kurz angehalten, das Auto am Strassenrand abgestellt – diesmal ohne Parkplatzsuche, wohlgemerkt – und einfach den Moment genossen. Casares ist kein grosses Ausflugsziel, kein Touristenmagnet, kein Pflichtprogramm. Es ist genau das, was man braucht, wenn man spontan um eine Kurve biegt und der Atem kurz stockt. Andalusien eben.
Ronda und die weissen Dörfer
Ronda gehört zu jenen Orten, bei denen man aus dem Auto steigt, die Umgebung sieht und einfach nur staunt. Die Stadt liegt auf einem Hochplateau, das von einer tiefen Schlucht – der Tajo – durchschnitten wird, und der Puente Nuevo, die «Neue Brücke», verbindet die beiden Stadtteile auf schwindelerregende Weise. Wer Höhenangst hat, sollte vielleicht nicht zu weit über das Geländer lehnen.
Was uns bei unserer Ankunft allerdings niemand verraten hatte: Wir waren mitten in die Feria de Mayo hineingeplatzt – das jährliche Maifest Rondas, das auf eine Tradition zurückgeht, die bis ins Jahr 1509 reicht, als Königin Juana I. von Kastilien der Stadt das Recht verlieh, einen Maimarkt abzuhalten. Heute füllen Musik, Umzüge und Tausende feiernde Menschen die Gassen der Stadt. Klingt wunderbar – und war es auch. Nur eben nicht für jemanden, der mit Gepäck zum Hotel möchte. Die Gassen waren so dicht gedrängt voll, dass wir kurzerhand das Gepäck im Auto liessen und uns zu Fuss zum Hotel durchkämpften. Dort informierte uns die freundliche Rezeption, dass sich das Treiben gegen Abend etwas legen würde. Sie behielten Recht – und so konnten wir später doch noch unsere Koffer ins Zimmer bringen. Ronda hatte uns also gleich bei der Ankunft in seinen Bann gezogen, wenn auch auf eine etwas chaotische Art und Weise.
Am nächsten Morgen, bei ruhigeren Gassen, erkundeten wir die Stadt in aller Ruhe. Der Ausblick von der Brücke hinunter in die Schlucht ist grandios und macht jeden Versuch, ein gutes Foto zu schiessen, zur Geduldsprobe – es sind nämlich immer andere Touristen im Weg. Neben der Brücke besuchten wir auch die Stierkampfarena, eine der ältesten Spaniens.
Übrigens: Seit unserem Besuch begegnet mir der Puente Nuevo auf eine ganz unerwartete Weise immer wieder. Windows hat das Bild dieser ikonischen Brücke in den letzten Monaten offenbar in die Sperrbildschirm-Rotation aufgenommen. Das bedeutet, dass ich seither an gefühlt jedem zweiten Computer in meinem Umfeld ungefragt zum Ronda-Botschafter werde. Sorry, But Not So Sorry.
Marbella
Marbella. Der Name weckt Bilder von Yachten, Designerläden und Sonnenbrillen, die mehr kosten als ein Flugticket. Und ja, es gibt dieses Marbella. Aber die Altstadt, die «Casco Antiguo», ist eine angenehme Überraschung. Enge Gässchen, hübsche Plätze, Orangenbäume – hier merkt man kaum etwas vom Glamour-Rummel der umliegenden Promenade. Wir haben die Altstadt ausgiebig erkundet, einen Kaffee in der Sonne getrunken und festgestellt: Marbella kann auch entspannt.
Und dann war da noch das El Boquerón. Wir sind eigentlich der Typ Reisender, der im Urlaub nie zweimal im gleichen Lokal isst – zu viel gibt es zu entdecken, zu kurz ist die Zeit. Aber dieses gemütliche, familiengeführte Tapas- und Weinbar-Restaurant in der Altstadt hat uns so begeistert, dass wir eine Ausnahme gemacht haben. Die Küche ist schlicht hervorragend, die Atmosphäre herzlich und der Preis fair. Wer in Marbella ist, sollte dort unbedingt vorbeischauen – eine Reservierung ist übrigens nicht möglich, also einfach hingehen.
Malaga
Und dann war da noch Málaga – unsere letzte Station und sozusagen das krönende Abschlusskapitel unseres Andalusien-Roadtrips. Die Hauptstadt der Costa del Sol hatte uns ja schon bei der Ankunft neugierig gemacht, und sie hat diese Neugier nicht enttäuscht. Die Alcazaba, die maurische Festungsanlage mitten in der Stadt, ist beeindruckend und bietet einen schönen Rundblick über den Hafen und das Meer. Wer nach dem Aufstieg erschöpft ist, findet am Hafen die richtige Belohnung – eine gute Portion Gambas und ein kühles Bier mit Meeresblick. Was will man mehr?
In Málaga besuchten wir eine Flamenco-Show – und hier müssen wir kurz ehrlich sein. Uninformiert wie wir waren, hatten wir eine fröhliche, lebhafte Tanzshow mit viel Temperament und guter Laune erwartet. Nun ja. Wer schon einmal echten Flamenco erlebt hat, weiss, dass die Realität etwas anders aussieht. Flamenco ist intensiv, leidenschaftlich, ernst – und ganz sicher nicht das, was man als unbeschwerte Abendunterhaltung bezeichnet würde. Es war ein Erlebnis, keine Frage. Aber eines, das wir wohl so schnell nicht wiederholen werden. Einmal Flamenco – einmal reicht.
Was wir hingegen sofort wiederholen würden: die Wein- und Tapas-Tour durch Málaga. Bereits in Granada hatten wir diese Art von geführtem Abend sehr geschätzt, aber in Málaga hat das Ganze noch eine Stufe draufgelegt. Die Stimmung war so gut, die Gruppe so sympathisch, dass wir nach dem offiziellen Ende einfach weitergezogen sind. Einer jener Abende, die man nicht plant und genau deshalb nicht vergisst. Sehr empfehlenswert – ohne Wenn und Aber!
Málaga hat uns als lebendige, herzliche Stadt in Erinnerung behalten. Eine Stadt, die nicht nur Durchgangsstation zum Flughafen sein sollte, sondern mindestens zwei Tage verdient. Wir sind froh, dass wir sie uns für den Schluss aufgespart haben – so endete unser Andalusien-Abenteuer auf einer wirklich hohen Note.
Fazit
Andalusien – was soll man sagen. Diese Region hat uns von Anfang bis Ende begeistert und dabei immer wieder aufs Neue überrascht. Von der Wüste bei Tabernas über die geschichtsträchtigen Altstädte von Granada, Córdoba und Jerez bis hin zu den schwindelerregenden Aussichten in Ronda und den entspannten Stunden am Hafen von Málaga: Andalusien ist unglaublich vielseitig und hat für jeden Reisenden etwas zu bieten.
Was uns besonders beeindruckt hat, ist die Dichte an Highlights auf vergleichsweise engem Raum. Mit dem Mietwagen lässt sich diese Region hervorragend erkunden – die Strassen sind gut, die Abstände überschaubar und die Aussichten auf dem Weg dorthin oft genauso schön wie das Ziel selbst. Einzige Ausnahme: Tarifa. Aber das hatten wir ja bereits erwähnt.
Was wir das nächste Mal anders machen würden? Tickets für die Alhambra in Granada mindestens drei bis vier Monate im Voraus buchen. Das ist unser grösster Reue-Moment dieser Reise – und gleichzeitig der beste Grund, irgendwann zurückzukehren. Andalusien, wir kommen wieder.
Hasta luego
Michael und Jeanine
